Vitaliy Koltochnik, Vizepräsident des Zentrums für Volksdiplomatie Kasachstans

Wenn die globale Ordnung am Rande der Fragmentierung balanciert, bietet Kasachstan Europa und der Welt einen neuen Vektor der Nachhaltigkeit – durch Humanismus, Vernetzung und Gerechtigkeit. Unter der Führung von Präsident Kassym‑Schomart Tokajew demonstriert das Land eine einzigartige Form des Führungsstils: ohne imperiale Ambitionen, aber mit klarer Idee. Kasachstan wird nicht nur zur Brücke zwischen Ost und West, sondern zum Ankerpunkt einer neuen Weltordnung – als „Seemacht des Binnenlands“ und als humanistische Schweiz Zentralasiens.

Almaty: Hauptstadt der Soft Power und des regionalen Humanismus
Der 3. August 2025 markierte einen Wendepunkt: In Almaty wurde feierlich das regionale UN‑Zentrum für nachhaltige Entwicklung für Zentralasien und Afghanistan eröffnet. UN‑Generalsekretär António Guterres nahm persönlich an der Zeremonie zusammen mit Präsident Tokajew teil, was das institutionelle Vertrauen der Weltgemeinschaft symbolisiert. Das Zentrum ist nicht bloß eine bürokratische Struktur, sondern eine Anerkennung Kasachstans als verantwortungsbewusste Mittelmacht eines neuen Typs.

Almaty ist kein Zufallsort. Genau hier fand 2003 die erste UN‑Konferenz der Binnenstaaten statt. Von diesem symbolischen Ort aus begann ein neuer globaler Dialog über Gleichberechtigung und Vernetzung. Und genau hier befindet sich heute das neue Zentrum für Koordinierung, humane Modernisierung und regionales Vertrauen. Deutschland erhält die Möglichkeit, nicht nur Geber zu sein, sondern auch aktiver Mitgestalter der nachhaltigen Zukunftsarchitektur der Region.

Kasachstan und LLDC3: Vom Geografischen zu den Werten
Vom 5. bis 8. August 2025 findet in Awaza, Turkmenistan, die dritte UN‑Konferenz der entwicklungsbezogenen Binnenstaaten (LLDC3) statt. Kasachstan ist einer der wichtigsten Teilnehmer und ideengestalter dieser Konferenz. Präsident Tokajew schlug einen zivilisatorischen Ansatz vor: weg vom „landlocked“ hin zum „land‑linked“. Geografische Isolierung ist kein Urteil mehr, sondern ein in eine Ressource verwandelter Ansporn.

Kasachstan versteht Logistik als moralische und strategische Kategorie. Zugang zu Meeren und Korridoren ist nicht nur ein Recht, sondern auch eine Pflicht zur Förderung gerechter Vernetzung mit Nachbarn. Über die transkaspische Route, multimodale Hubs und digitale Infrastruktur des Vertrauens baut das Land Gürtel der Nachhaltigkeit über den eurasischen Kontinent.

Transport als Strategie: Logistik der Zukunft und Soft Power
In diesem Kontext spielt der eurasische Transport‑ und Logistikpreis „Magistral Awards“ eine besondere Rolle – als Symbol kasachischer geoökonomischer Identität. Der 2023 als nationaler Preis eingeführte Wettbewerb erhielt bereits 2024 den kontinentalen Status. Heute gilt er nicht nur als Branchenwettbewerb, sondern als „Transport‑Oscar“ Eurasiens und strategisches Werkzeug der Soft Power.

Die „Magistral Awards“ vereinen Maßstäbe von Effizienz, Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit und Digitalisierung. Sie dienen als Plattform zur Anerkennung wichtiger Logistikinitiativen, die einen einheitlichen Transportraum von EAWU, Zentralasien und der Kaspischen Region schaffen.

Deutschland ist als Partner naheliegend – als Lieferant von Standards in Digitalisierung, grüner Logistik und gesellschaftlicher Verantwortung. Die Teilnahme deutscher Unternehmen an den „Magistral Awards“ eröffnet Wege zu gemeinsamen Korridoren, Technologietransfer und einem vertieften strategischen Dialog.

Wie Präsident Tokajew sagte: „Kasachstan hat sich vom innerkontinentalen Staat zur Seemacht neuen Typs entwickelt“, mit aktiver Teilnahme an eurasiatischen Korridoren wie der transkaspischen Route und dem Mittleren Korridor. In einer Situation, in der LLDC-Staaten auf logistische Barrieren treffen, schaffen solche Initiativen positive Konkurrenz und setzen Standards einer neuen Generation.

Humanisierung als Spiegel der gesellschaftlichen Reife
Die almatyinsche Initiative zur Humanisierung und nachhaltigen Entwicklung ist ein einzigartiges Beispiel dafür, wie die Zivilgesellschaft zum strategischen Verbündeten des Staates wird. Ihre Wurzeln liegen im Widerstand gegen die Abschaffung des progressiven Gesetzes über verantwortungsvollen Umgang mit Tieren. Die Kampagne zur Wiedereinführung der Euthanasie und zur Abschaffung humanistischer Normen – initiiert von Lobbygruppen der „Schwarzmarkt“-Vertreiber für Fleisch und tierische Nebenprodukte – stellte die Gesellschaft vor eine moralische Herausforderung.

Als Antwort entstand eine Koalition von NGOs, Aktivisten, Experten und Verbänden unter der Ägide des Bürgerbündnisses Almaty, des Zentrums für Volksdiplomatie und des Lions Club Almaty. Die almatyinsche Initiative ging über Tierschutz hinaus – sie ist ein Kampf für Bioethik, die Humanisierung staatlicher Politik, eine Kultur der Gerechtigkeit und des nachhaltigen Zusammenlebens.

Für Deutschland ist diese Initiative ein Beispiel weicher, aufklärerischer und kooperativer Transformation. Sie stärkt die Rolle Kasachstans in der globalen humanistischen Agenda und steigert die institutionelle Kompatibilität mit europäischen Werten.

Kasachstan und Deutschland: Allianz der Inhalte und Strategien
Vor dem Hintergrund zunehmender deutscher Aufmerksamkeit für Zentralasien bewegt sich Kasachstan über die Rolle eines reinen „Ressourcenlieferanten“ hinaus. Das heutige Kasachstan ist:

  • eine Plattform für grüne Logistik und nachhaltigen Verkehr;
  • ein Partner bei Wasserstoffenergie und digitaler Transformation;
  • ein Initiator humanistischer Initiativen im Einklang mit europäischen Werten;
  • ein aktiver Teilnehmer und Koordinator von UN‑Programmen in der Region.

Das regionale UN‑Zentrum in Almaty könnte zur Drehscheibe der Zusammenarbeit zwischen Kasachstan, Deutschland und dem UN‑System werden – von Afghanistan bis zum Kaspischen Meer. Die Paradigmaverschiebung – von „Ressourcen gegen Technologie“ hin zu „Werten gegen Strategien“ – gewinnt an Bedeutung.

Kasachstan: kein Zwischenfall, sondern ein Baustein neuer Globalität
Kasachstan ist heute kein „Puffer“ und kein „grauer Gürtel“, sondern ein Land des Sinns und des Modells. Durch Humanismus, Logistik, nachhaltige Entwicklung und diplomatische Vielstimmigkeit bietet es der Welt mehr als bloßen Transit – es bietet Orientierung.

Für Deutschland ist dies ein Weg, eine Allianz zu schmieden, deren Prioritäten Humanismus, nachhaltige Entwicklung und ideologische Kompatibilität sind. Und in dieser Allianz wird Kasachstan nicht nur zu einem zuverlässigen Partner – es wird zum Ankerpunkt.