Stellen wir uns vor, wir haben ein Gehirn, das so groß wie ein Schuhkarton ist. Man kann damit alles Mögliche tun, von Mathe-Aufgaben lösen bis hin zum Autofahren. Aber was, wenn wir ein Supergehirn hätten, das so groß wie ein ganzer Raum ist und in der Lage, Millionen von Aufgaben in Sekundenschnelle zu erledigen? Das ist im Grunde das, was Künstliche Intelligenz – kurz: KI – ist. Eine Technologie, die es Maschinen ermöglicht, komplexe Probleme zu lösen und menschenähnliche Fähigkeiten zu entwickeln.

Schon jetzt kann man mit KI selbstfahrende Autos bauen, die ohne menschliches Eingreifen fahren können, oder virtuelle Assistenten wie Siri oder Alexa, die uns helfen, unsere Termine zu organisieren und unsere Lieblingsmusik abzuspielen. Aber Achtung, KI hat auch seine Tücken! Wenn man es nicht richtig programmiert, kann es dazu führen, dass der Toaster anfängt zu tanzen und der Kühlschrank plötzlich eigene Entscheidungen trifft.

Künstliche Intelligenz ist zweifellos ein faszinierendes Thema. Es gibt viele legitime Sorgen und Herausforderungen, die mit ihrer Entwicklung einhergehen, aber auch viele spannende Möglichkeiten, die sie uns bietet.

Einerseits können wir uns auf die vielen positiven Aspekte von KI freuen, die unser Leben erleichtern können. Ob es nun darum geht, bessere Diagnosen in der Medizin zu erstellen oder in der Industrie effizienter zu produzieren. KI kann uns in vielen Bereichen helfen.

Auf der anderen Seite gibt es auch legitime Bedenken hinsichtlich der möglichen Risiken von KI. Dazu gehören ethische Fragen wie der Schutz unserer Privatsphäre und die Vermeidung von Diskriminierung, aber auch das Potenzial, Arbeitsplätze zu ersetzen und die Wirtschaft zu destabilisieren.

Aber hey, wenn wir uns vor allem fürchten würden, was kompliziert klingt, dann müssten wir uns auch vor unseren früheren Mathelehrern fürchten, die versucht haben, uns Integralrechnung beizubringen. Trotzdem sollten wir uns bewusst sein, dass KI eine komplexe Technologie ist und dass wir uns aktiv mit ihrer Entwicklung und Anwendung auseinandersetzen sollten.

Und wer weiß, vielleicht wird KI auch dazu beitragen, dass wir mehr Freiheit haben und uns endlich um die wirklich wichtigen Dinge im Leben kümmern können, wie zum Beispiel … na ja, wie auch immer, wir sollten uns nicht blind vor der KI fürchten, sondern uns auf ihre positiven Aspekte konzentrieren und sicherstellen, dass sie zum Wohle der Gesellschaft eingesetzt wird.

Sind Sie mir bis hierher gefolgt? Dann möchte ich lösen: Kein einziges Wort, das Sie in den vorherigen Absätzen gelesen haben, stammt von mir. Sondern von „ChatGPT“, einer KI-Plattform, die auf Befehl Texte generieren kann und von der viele sagen, dass sie den Journalismus in nicht allzu ferner Zukunft ersetzen könnte. Ich hatte die Aufforderung, „Schreibe einen Kommentar zur Frage ‚Müssen wir uns vor der Künstlichen Intelligenz fürchten?'“, eingegeben. Heraus kam eine kluge, aber sehr langweilige Abhandlung, bei der Sie vermutlich schon nach dem ersten Absatz mit dem Lesen aufgehört hätten. Also tippte ich ein: „Kannst du das etwas humorvoller schreiben?“

Das Ergebnis haben Sie gerade gelesen. Inklusive des Witzes vom tanzenden Toaster und des Mathelehrer-Vergleichs. Was mich an den Titel eines alten Romans von Philip K. Dick erinnert: „Träumen Androiden von elektronischen Schafen?“ Sie kennen vielleicht die Verfilmung: „Blade Runner“ mit Harrison Ford.

Wenn ChatGPT auf Tastendruck solche Witze machen kann, was kann es noch alles? Werden Sie in fünf Jahren nur noch „Tagesanbrüche“ lesen, die vom Computer geschrieben wurden? Und wenn ja: Würden Sie mich und meine Kollegen vermissen? Hand aufs Herz: Haben Sie etwas beim Lesen des Textes gemerkt? Hat Sie irgendetwas irritiert? Oder haben Sie keinen Unterschied festgestellt?

Große technische Erneuerungen (man spricht in solchen Fällen auch gern von „Disruptionen“) lösen meist zwei Arten der Reaktion hervor: Da sind die, die sie feiern und zum Nonplusultra der Zukunft erklären. Und da sind die, die sie mit dem Hinweis ablehnen, dass sie eh niemals Menschen ersetzen könnten. Ich bin ganz beim Digitalexperten Sascha Lobo, wenn er davor warnt, dass gerade wir Journalisten nicht aus Arroganz und Verblendung unterschätzen sollten, welche immensen Veränderungen ChatGPT oder andere KI-Systeme der Textgenerierung für unsere Branche haben können. Sondern dass wir uns möglich früh damit auseinandersetzen und prüfen sollten, wie wir uns mit diesen Möglichkeiten weiterentwickeln können.

Schon jetzt gibt es viele Beispiele, wie bereichernd ChatGPT sein kann. Es kann für Schreibmuffel romantische Liebesgrüße verfassen, für Vorträge Argumentationshilfe leisten oder Schülern den qualvollen Hausaufgabenaufsatz abnehmen. Neulich hat jemand auf Twitter sich mit diesem Chatbot Kirchenlieder in Jugendsprache umschreiben lassen. Es war sehr lustig.

Trotzdem gehöre ich nicht zu jenen, die an die Allmächtigkeit von ChatGPT glauben. Mag sein, dass künftig viele Artikel von Computern verfasst werden. Am hintergründigen Bericht, an der investigativen Recherche, dem einfühlsamen Porträt wird Künstliche Intelligenz hingegen scheitern. Denn dazu braucht es jahrelang erworbene Netzwerke, die zwischenmenschliche Begegnung und das persönliche Gespräch. Und weil das auch viele Leser und Leserinnen zu schätzen wissen, wird es auch immer für den „menschlichen“ Journalismus einen Absatzmarkt geben. Gewiss wird er kleiner sein als der heutige. Aber es werden andere Möglichkeiten dazukommen. Warum nicht mal ein Podcast, der von einem Menschen und einer Maschine gemeinsam moderiert wird?

Aber ist es trotzdem nicht gruselig, wenn immer mehr menschliche Aktionen durch Künstliche Intelligenz ersetzt werden? Dazu möchte ich Ihnen eine Anekdote erzählen von einem Interview mit dem damaligen Airbus-Chef Tom Enders. Er schwärmte uns im Sommer 2016 von den Flugzeugen der Zukunft vor, in der KI die Piloten ersetzen würde. Ich sagte ihm, wie unheimlich ich die Vorstellung fände, in ein Flugzeug mit leerem Cockpit zu steigen. Er antwortete, dass dort dann nicht die Erfahrung und Intelligenz von zwei Piloten sitzen würde, sondern die gespeicherte Intelligenz und Erfahrung von Tausenden von Piloten. Ich war noch nicht überzeugt. Enders schaute mich an. „Wissen Sie, meine Großmutter wollte nie in einen Fahrstuhl ohne Aufzugführer steigen. Die Vorstellung, so ein Ding könne ohne menschliche Bedienung fahren, war ihr unheimlich. Machen Sie sich solche Gedanken, wenn Sie heute Fahrstuhl fahren?“

Quelle: https://www.t-online.de/nachrichten/tagesanbruch/id_100142934/ki-erkennen-sie-die-textstellen-die-von-chatgbt-verfasst-wurden-.html