20 Jahre gibt es die Riester-Rente, ihr Ruf ist inzwischen ruiniert. Sie einfach abzuschaffen, hilft aber nicht: Das Wichtigste ist, das Geld der 16 Millionen Sparer für ihren Ruhestand zu sichern.

Die Riester-Rente war nie populär. Am Anfang schossen die Versicherungsvertriebe aus allen Rohren gegen das ungeliebte staatlich geförderte Produkt. Weil sie ihre Provision – anders als damals noch üblich – nicht sofort kassieren konnten. Weil Riester-Sparer jederzeit von einem Riester-Vertrag in den anderen wechseln können. Und weil zur Rente hin die Anbieter ihren Kundinnen und Kunden das ganze eingezahlte Geld und die ganze staatliche Förderung – also quasi eine implizite Rendite – garantieren müssen.

Später schimpften die Anhänger einer rein gesetzlichen Rente auf die Riester-Produkte. Weil die Verträge den Staat – also uns Steuerzahler und -zahlerinnen – tatsächliche eine Menge Geld kosten, weil viel zu viel von diesem Geld bei den Anbietern hängenbleibt, statt bei den Kunden anzukommen und weil gerade diejenigen, die mit Riester die Chance auf eine zusätzliche Altersvorsorge bekommen sollten, keine Verträge unterschrieben haben oder oft nur schlechte, der Zweck einer Aufstockung der gesetzlichen Rente also nur begrenzt erreicht wurde.

Wahrscheinlich 20 Millionen Sparerinnen und Sparer haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten einen Riester-Vertrag abgeschlossen. 16 Millionen davon gibt es noch, in elf Millionen Verträge wird noch eingezahlt, so heißt es. Jedes Jahr schließen noch hunderttausende Sparerinnen einen neuen Vertrag ab.

Noch mehr Menschen aber kündigen. Der Ruf des Produkts ist ziemlich ruiniert. Am Dienstag haben der Verbraucherzentrale Bundesverband mit seinem Chef Klaus Müller, der Bund der Versicherten mit seinem Chef Axel Kleinlein und der Verein Finanzwende mit seinem Chef Gerhard Schick das Ende der Riester-Rente von der grünen Kanzlerkandidatin und ihren beiden Konkurrenten Olaf Scholz und Armin Laschet gefordert. Alle drei kennen sich bei dem Thema sehr gut aus. Es ist tatsächlich gut möglich, dass nur ein radikaler Neuanfang bei der staatlichen Förderung privater Altersvorsorge hilft.

Was aber ist bis dahin zu tun? Vor allem müssen die Regierenden dafür sorgen, dass die Riester-Sparerinnen und Sparer ihr eingezahltes Geld tatsächlich für die Altersvorsorge einsetzen können, dass es nicht verdampft. Dazu braucht es gleich mehrere Schritte:

Aufklärung bieten:

  • Der Charme eines Riester-Vertrags liegt in seiner Förderung: ein Mal die jährliche direkte Förderung von 175 Euro für jeden Riester-Sparer, der genug einzahlt. Zudem 300 Euro jährlich für jedes Kind, das nach 2007 geboren wurde. Für ältere Kinder gibt es 185 Euro.
  • Aber es gibt noch eine zweite Förderung: Riester-Sparer geben ihre Einzahlung bei der Steuer an und bekommen jedes Jahr Steuern zurück. Ein guter verdienender Single mit 70.000 Euro Jahreseinkommen bekommt neben den 175 Euro Förderung noch rund 750 Euro Steuerrückzahlung vom Finanzamt, Jahr für Jahr.
  • Diese komplette Förderung bleibt aber nur erhalten, wenn man seinen Riester-Vertrag bis zur Rente durchhält und nicht kündigt. Denn die Anbieter müssen alles, was eingezahlt wird, zur Rente hin garantieren, also auch die Förderung. Wer vorher kündigt, verliert die staatliche Förderung und muss die Steuervorteile zurückzahlen.
  • Kündigung erschweren:

    • Wer seinen Riester-Vertrag kündigt, steht also vor einem Trümmerhaufen. Die Rückzahlung von Förderung und Steuervorteilen halbiert schon mal die bislang angesparte Summe auf dem Riester-Konto und ist vielen Sparern in der Konsequenz nicht bewusst. Bevor Kunden also kündigen können, sollten sie sicher um diesen Verlust wissen. Die Anbieter sollten sie in Großbuchstaben darüber aufklären müssen.
    • Denn die Versicherer verlieren nichts bei einer Kündigung. Im Gegenteil, sie profitieren oft. Sie müssen die ganzen Kosten, mit denen sie den Riester-Vertrag in den ersten Jahren belastet haben, nicht bis zur Rente für ihre Kundinnen wieder erwirtschaften. Sie können die kassierten Kosten einfach in die Tasche stecken.
    • Sie müssen auch die Zinsgarantien, die sie den Kunden gegeben haben, also zum Beispiel 3,25 Prozent Zinsen jährlich auf all das Geld, das schon auf dem Riester-Konto ist, nicht mehr einhalten.

    Riester oder überhaupt Altersvorsorge vereinfachen

    • Für die Zukunft muss jede Form privater Altersvorsorge vereinfacht werden. Sparerinnen und Sparer müssen die Produkte verstehen können. Es kann nicht sein, dass Bürgerinnen und Bürger nicht wissen, ob sie sparen können.
    • Es kann nicht sein, dass Sie nur schwer erkennen können, welches Produkt für Sie das Richtige ist. Meine Kolleginnen und Kollegen bei »Finanztip« haben ein halbes Dutzend Ratgeber allein für Riester-Sparerinnen schreiben müssen: Versicherungen, Fonds, Banksparpläne, Wohnriester.
    • Und schließlich kann es nicht angehen, dass Förderung hunderttausendfach zurückgefordert wird und die Sparerinnen und Sparer verunsichert.
    • von Spiegel